Ein heikles Thema, über das man in meinem Alter ungern spricht. Hier trotzdem, so ehrlich wie möglich.
Gut zwei Jahre nach dem Tod meiner Frau hat mich meine Tochter gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, wieder jemanden zu haben. Ich habe damals abgewunken. Ein Jahr später habe ich angefangen, mich umzuschauen, und dabei gemerkt, dass ich keine Ahnung hatte, wie das heute geht. Das Letzte Mal hatte ich 1981 jemanden kennengelernt, an einem Dorffest in Kirchberg.
Ich habe lange gesucht: Wanderungen für Alleinstehende, Tanzabende für Singles ab 60, Stammtische. In Burgdorf und im Emmental habe ich nichts gefunden, das regelmässig stattfindet. In der Stadt Bern gibt es einzelne gemischte Angebote gegen Einsamkeit, aber nichts, das ausdrücklich auf Partnersuche ausgerichtet ist.
Das ist schade, aber vielleicht gar nicht so schlimm. Viele Menschen in unserem Alter mögen es nicht, wenn ein Anlass «Single» auf der Stirn trägt. Die meisten Paare, die ich kenne und die sich spät gefunden haben, sind sich bei etwas ganz anderem begegnet.
Der gemeinsame Nenner: Man trifft sich regelmässig, man tut etwas zusammen, und niemand steht unter Druck. Wenn es funkt, funkt es nebenbei.
Meine Tochter hat mich schliesslich überredet, es auch online zu versuchen. Ich war skeptisch und bin es teilweise immer noch, aber ich muss zugeben: Es gibt dort mehr Menschen in meinem Alter aus der Region, als ich gedacht hätte. Ein paar Beobachtungen:
Ich habe auf diesem Weg zwei Frauen getroffen. Mit der ersten war es ein netter Nachmittag in Langnau und nicht mehr. Mit der zweiten gehe ich seit einem Jahr ins Theater.
Das muss hier stehen, weil es Menschen in unserem Alter besonders oft trifft. Die Schweizerische Kriminalprävention warnt vor dem sogenannten Romance Scam. Typisch sind:
Mein Grundsatz: Wer nicht bereit ist, sich auf einen Kaffee in Burgdorf oder in Bern zu treffen, bekommt von mir keinen Rappen und keine Fotos. Mehr dazu bei der Schweizerischen Kriminalprävention.
Man muss niemanden suchen. Viele Menschen in meinem Umfeld leben allein und sind zufrieden damit. Aber wer jemanden möchte, soll sich nicht schämen, und schon gar nicht wegen des Alters. Meine Mutter hat mit 74 noch einmal geheiratet, und wir Kinder fanden das damals peinlich. Heute verstehe ich sie.