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Für Angehörige: wenn die Mutter oder der Vater zu viel allein ist

Diese Seite ist für die Kinder und Enkel. Ich schreibe sie aus der anderen Perspektive: als Vater, um den sich seine Tochter Sorgen gemacht hat.

Nach dem Tod meiner Frau hat meine Tochter jeden Sonntag angerufen und gefragt: «Und, was hast du diese Woche gemacht?» Ich habe jedes Mal etwas erfunden, einen Spaziergang, einen Jass. In Wahrheit sass ich vor dem Fernseher. Sie hat es natürlich gemerkt. Wie sie damit umgegangen ist, hat mir am Ende sehr geholfen, und darum schreibe ich das hier auf.

Woran man merkt, dass jemand vereinsamt

Einsamkeit sieht man selten auf den ersten Blick. Ein paar Zeichen, die meine Tochter mir später aufgezählt hat:

  • Die Erzählungen am Telefon werden kürzer und immer gleich.
  • Termine werden abgesagt, auch solche, die früher wichtig waren, etwa der Coiffeur oder der Stammtisch.
  • Der Kühlschrank ist auffallend leer oder voller abgelaufener Sachen.
  • Die Wohnung wirkt vernachlässigt, die Post stapelt sich.
  • Es fallen Sätze wie «Mich braucht ja niemand mehr» oder «Das lohnt sich nicht mehr».

Nicht jedes dieser Zeichen bedeutet Einsamkeit, manches kann auch eine Depression oder eine beginnende Krankheit sein. Wenn mehrere zusammenkommen, lohnt sich ein Gespräch mit dem Hausarzt.

Was geholfen hat, und was nicht

Was nicht geholfen hat

Ratschläge wie «Du musst halt mehr rausgehen». Ein ausgedrucktes Kursprogramm, das mir in die Hand gedrückt wurde. Und der gut gemeinte Satz «Andere in deinem Alter machen doch auch …». Alles richtig, aber man fühlt sich danach noch kleiner.

Was geholfen hat

Meine Tochter hat eines Tages gefragt, ob ich sie zu einem Vortrag an der Seniorenuni begleiten würde, sie interessiere sich für das Thema. Das war natürlich gelogen, aber es hat funktioniert. Ich musste nicht allein hinein, und beim zweiten Mal bin ich ohne sie gegangen.

Daraus mein Rat an Angehörige:

  1. Gemeinsam hingehen, das erste Mal. Suchen Sie sich zusammen etwas aus und begleiten Sie Ihre Mutter oder Ihren Vater beim ersten Besuch. Die Angebote in Burgdorf finden Sie unter Treffpunkte, Unterwegs und Kurse & Kultur.
  2. Fragen statt verordnen. «Was hast du früher gern gemacht?» öffnet mehr Türen als «Du solltest».
  3. Etwas Kleines gemeinsam regelmässig tun. Ein fester Spaziergang alle zwei Wochen ist besser als ein grosser Ausflug im Jahr.
  4. Eine Aufgabe geben. Menschen, die gebraucht werden, ziehen sich weniger zurück. Vielleicht passt etwas unter Mithelfen.
  5. Geduld haben. Es hat bei mir fast ein Jahr gedauert.

Wo Angehörige Rat bekommen

StelleWobei sie hilftKontakt
Pro Senectute, Beratungsstelle BurgdorfKostenlose Sozialberatung für ältere Menschen, auch auf Anfrage von AngehörigenLyssachstrasse 17, 034 420 16 50
Fachstelle Alter, Stadt BurgdorfÜberblick über alle Angebote für ältere Menschen in der StadtKirchbühl 17, 034 429 94 37
Hausärztin oder HausarztWenn Sie hinter dem Rückzug eine Krankheit oder eine Depression vermuten 

Und falls Ihr Vater oder Ihre Mutter wieder jemanden kennenlernen möchte: Freuen Sie sich mit. Ein paar Gedanken dazu, auch zum Schutz vor Betrügern, stehen unter Partnersuche.

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